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Patron driven acquisition

Aus ErwerbungsWiki

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Mit Patron driven acquisition (PDA) werden verschiedene Verfahren der kundengesteuerten Erwerbung und des kundengesteuerten Bestandsaufbaus bezeichnet.

1. Erwerbungsvorschläge von Nutzern, die in der Regel über Webformulare an die zuständigen Fachreferenten oder die Erwerbungsabteilung einer Bibliothek weitergeleitet werden

2. Der auf einer Auswertung von Fernleihbestellungen basierende gezielte Kauf von Medien, entweder der Fernleihe nachgeordnet oder diese in einem Schnellgeschäftsgang ersetzend (etwa im Rahmen des im hbz-Verbund entwickelten Erwerbungsvorschlagsassistenten EVA).

3. Die voll- oder teilautomatisierte Erwerbung von Büchern, insbesondere E-Books, die durch eine Bestellung eines Nutzers im OPAC ausgelöst wird. Diese Bedeutungsvariante ist die am häufigsten verwendete.

Patron driven acquisition ist inhaltlich eng verwandt mit dem Begriff Demand driven acquisition (DDA), der jedoch zum Teil auch in allgemeinerer Hinsicht für einen bedarfsbezogenen, etwa auf statistischen Auswertungen oder Bedarfsabfragen durch die Bibliothek basierenden Bestandsaufbau verwendet wird. Die Besonderheit an PDA-Verfahren ist darin zu sehen, dass die konkrete Kaufentscheidung für einen Titel durch einen Nutzer angestossen wird und unmittelbar bzw. nach einer zwischengestalteten fachlichen Prüfung in den Erwerbungsprozeß übergeht.


PDA für E-Books

Diese Variante wird häufig als gleichbedeutend mit dem Konzept der kundengesteuerten Erwerbung überhaupt angesehen. Sie wird von E-Book-Aggregatoren, aber auch von einzelnen Verlagen mit verschiedenen Optionen angeboten. Nach einer Vorselektion durch die Bibliothek (etwa in Bezug auf Fächer, Sprache, Erscheinungsjahr, Literaturtyp oder andere Kriterien) wird ein größere Menge an Titeldaten - meist mehrere Tausend - in den lokalen Katalog eingespielt oder über ein Portal des Anbieters zugänglich gemacht. Über den Kauf eines E-Book entscheidet der Nutzer unwissentlich durch sein Nutzungsverhalten. Für den Kauf werden meist die Nutzungsdauer bzw. die Anzahl der Zugriffe als kaufauflösende Momente vorab vertraglich festgelegt werden. Für einen Aufruf und ein relativ kurzes Überfliegen der Texte zahlt die Bibliothek in der Regel nichts: der Titel wird nicht gekauft. Für eine ein- oder zweimalige längere Betrachtung eines E-Book wird in manchen PDA-Modellen eine als Kurzleihe oder auch "short term loan" (STL) bezeichnete Pay per view-Gebühr fällig, die sich prozentual an den Kosten des E-Book orientiert. Wenn ein Titel mehrfach in einem vorher vertraglich vereinbarten Umfang (zum Beispiel zwei Nutzungen in einer Dauer von jeweils X Minuten) von Nutzern angefordert wird, wird er erworben und geht zeitlich unbegrenzt in den Bestand der Bibliothek über.

Aus Sicht der Bibliothek handelt es sich bei einem solchen Kauf in der Regel um einen Einzeltitelkauf auf einer Aggregatorenplattform. Dabei ist zu beachten, dass ein solcher Titel hinsichtlich des Digital Rights Managements, der Zugriffsrechte, des Hostings oder der Langzeitarchivierung anderen Bedingungen unterliegen kann als andere Titel desselben Verlages, die im Rahmen eines Paket- oder Einzeltitelkaufs direkt vom Verlag erworben wurden.


PDA für gedruckte Bücker

Einzelne Bibliotheken, wie etwa die Universitätsbibliotheken in Leipzig und in Köln sind seit 2012 dazu übergegangen, PDA-Modelle auch für Printbücher anzuwenden. Auch hier werden Titeldaten in den Katalog eingespielt und den Nutzern zur Bestellung angeboten. Die Anforderung durch den Nutzer löst dann einen Schnellgeschäftsgang zur Bucherwerbung aus.

Literatur

NISO: Recommended Practice on Demand-Driven Acquisition of Monographs (Volltext zugreifbar unter http://www.niso.org/workrooms/dda/)

„Patron Driven Acquisition: Wird der Erwerb von eBooks und Aufsätzen künftig vom Endnutzer nach Bedarf ausgelöst?“ In: Fachbuch Journal 6:2011; S. 17-21. Volltext unter: http://content.schweitzer-online.de/static/content/uploads/StoreFront/file/000/014/000014611/12_2011_fachbuchjournal_PatronDrivenAcquisition.pdf

Price, Jason S.; McDonald, John D. (2010) “Beguiled by bananas: a retrospective study of the usage & breadth of patron vs. librarian acquired ebook collections.” In: Charleston Conference Proceedings 2009. Bernhardt BR, Daniels T, Steinle K, Strauch K, Eds. Westport, Conn. Libraries Unlimited. Volltext unter: http://ccdl.libraries.claremont.edu/cdm/singleitem/collection/lea/id/175

Price, Jason S. (2011) “Patron driven acquisition of publisher-hosted content: Bypassing DRM.” In: Against the Grain 23(3):16-18. Volltext unter: http://scholarship.claremont.edu/library_staff/2/

Tyler, David C. (2011) “Patron-Driven Purchase on Demand Programs for Printed Books and Similar Materials: A Chronological Review and Summary of Findings.” In: Library Philosophy and Practice (2011). Volltext unter: http://digitalcommons.unl.edu/libphilprac/635/

Hermann, Martin (2012): Parameter für die Budgetierung von Patron-Driven Acquisition (PDA). In: Perspektive Bibliothek Bd.1 Nr. 2. Volltext unter: http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/ojs/index.php/bibliothek/article/view/9463

  • Diese Seite wurde zuletzt am 15. Juli 2014 um 18:01 Uhr geändert.
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