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Nationalbibliothek

Aus ErwerbungsWiki

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Die meisten Staaten besitzen eine Nationalbibliothek, die als herausragende Bibliothek die gesamte Literatur eines Landes oder eines Sprachraumes sammelt, archiviert und diese in der Nationalbibliographie verzeichnet. Laut Definition der UNESCO hat eine Nationalbibliothek häufig auch die Aufgabe, die wichtigsten ausländischen Publikationen zu erwerben und damit als zentraler Wissensspeicher eines Staates zu dienen. Darüber hinaus nimmt die Nationalbibliothek im Bibliothekswesen eines Landes oft eine führende und koordinierende Rolle ein.

Beispiele für große und bekannte Nationalbibliotheken sind

  • die British Library in London,
  • die Bibliothèque Nationale de France in Paris,
  • die Deutsche Nationalbibliothek in Leipzig und Frankfurt am Main,
  • die Library of Congress in Washington, D.C.,
  • die Saltykow-Schtschedrin-Bibliothek in Sankt Petersburg
  • oder die Österreichische Nationalbibliothek in Wien.


Inhaltsverzeichnis

Deutscher Sprachraum

Im deutschen Sprachraum hat es aus historischen Gründen zunächst keine Nationalbibliothek gegeben, sondern mehrere große bedeutende Bibliotheken, etwa die Bayerische Staatsbibliothek oder die Preußische Staatsbibliothek, heute Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz.

Die 1912 auf Initiative des Buchhandels in Leipzig gegründete Deutsche Bücherei erfüllt zusammen mit der 1947 eingerichteten Deutschen Bibliothek in Frankfurt am Main als Deutsche Nationalbibliothek (DNB) (bis 2006 Die Deutsche Bibliothek (DDB)) die nationalbibliothekarischen Aufgaben für die seit 1913 erschienene Literatur. Die Sammlung der vor diesem Zeitpunkt veröffentlichten Druckwerke erfolgt verteilt im Rahmen der Arbeitsgemeinschaft Sammlung Deutscher Drucke, an der auch die Bayerische Staatsbibliothek und die Staatsbbliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz beteiligt sind.


Deutsche Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek (DNB), ehemals Die Deutsche Bibliothek (DDB) ist die zentrale Archivbibliothek und das nationalbibliografische Zentrum der Bundesrepublik Deutschland; sie erfüllt damit die wesentlichen Teile der üblicherweise einer Nationalbibliothek zugeschriebenen Aufgaben.


Allgemeines

Der gesetzliche Sammelauftrag der DNB umfasst ab 1913 in Deutschland veröffentlichte Medienwerke (auf der Grundlage des Pflichtexemplarrechts) und ab 1913 im Ausland veröffentlichte deutschsprachige Medienwerke, Übersetzungen deutschsprachiger Medienwerke in andere Sprachen und fremdsprachige Medienwerke über Deutschland (Germanica). Die Publikationen werden erschlossen, archiviert und zur Präsenznutzung (Präsenzbibliothek) bereitgestellt. Außerdem erstellt die Bibliothek die Deutsche Nationalbibliografie und unterhält einige Sondersammlungen (Deutsches Exilarchiv 1933–1945, Anne-Frank-Shoah-Bibliothek, Deutsches Buch- und Schriftmuseum).

Mit der am 29. Juni 2006 in Kraft getretenen Neufassung des „Gesetzes über die Deutsche Nationalbibliothek“ wurde die seit 1990 „Die Deutsche Bibliothek“ genannte Bibliothek in „Deutsche Nationalbibliothek“ umbenannt.

Die Bibliothek hat drei Standorte:

  • Leipzig (ehemals Deutsche Bücherei)
  • Frankfurt am Main (ehemals Deutsche Bibliothek)
  • Berlin: Deutsches Musikarchiv

Der Gesamtbestand der Deutschen Nationalbibliothek zählt ca. 22,2 Millionen Einheiten (ca. 13,2 Millionen in der Deutschen Bücherei Leipzig; ca. 7,8 Millionen in der Deutschen Bibliothek Frankfurt am Main; ca. 1,2 Millionen im Deutschen Musikarchiv Berlin).

Zusammen mit der Sammlung Deutscher Drucke und den Sondersammelgebieten bildet die Deutsche Nationalbibliothek eine verteilte Nationalbibliothek für Deutschland.


Erwerbung

Jede in Deutschland publizierte Veröffentlichung muss der Bibliothek in zwei Exemplaren zugesandt werden (Pflichtexemplar). Von dieser grundsätzlichen Pflicht gibt es jedoch zahlreiche Ausnahmen, die im Gesetz selbst und aufgrund entsprechender Ermächtigungen in einer Rechtsverordnung und in den sogenannten Sammelrichtlinien geregelt sind. Z.B. müssen Filmwerke, sofern nicht Musik im Vordergrund steht, und solche Druckwerke nicht abgeliefert werden, die eine nur vorübergehende Bedeutung haben (Warenbestellkataloge, Flugblätter, Werbedrucksachen u.Ä.). Von den ablieferungspflichtigen Druckwerken wird je ein Exemplar in Leipzig und eines in Frankfurt am Main gesammelt. Für sehr aufwändig hergestellte Medien, die in geringer Stückzahl aufgelegt werden, können die Verleger einen Zuschuss zu den Herstellungskosten der abgelieferten Pflichtexemplare erhalten (Pflichtentschädigung). Im Normalfall aber hat die Nationalbibliothek Anspruch auf unentgeltliche Überlassung der Medien. Gekauft werden von der Bibliothek (allerdings nur in einem Exemplar, dieses wird in Leipzig aufbewahrt) ausländische Publikationen über Deutschland und Übersetzungen aus dem Deutschen (Germanica) sowie im Ausland erschienene deutschsprachige Werke.

Erweiterte Ablieferungspflicht

Wer im Geltungsbereich des deutschen Rechts publiziert, der muss seine Werke (in einem oder in zwei Exemplaren) bei der Deutschen Nationalbibliothek abliefern. Das galt bis zum 28.Juni 2006 nur für Bücher und Nichtbuchmaterialien auf physikalischen Datenträgern; seit dem 29.Juni 2006 gilt diese Verpflichtung auch für Netzpublikationen). Einzelheiten zur Ablieferungspflicht regeln die §§ 14 und 16 des DNB-Gesetzes.

Netzpublikationen

Im März 2002 haben Die Deutsche Bibliothek und der Börsenverein des Deutschen Buchhandels eine Vereinbarung zur Ablieferung, Sammlung, Archivierung und Verzeichnung ihrer Netzpublikationen getroffen. Diese sieht die freiwillige Ablieferung von Netzpublikationen der Verlage vor. Eine wesentliche Erweiterung des Sammelauftrages, der nun über die Netzpublikationen nur der Verlage hinausgeht, ist durch das am 29.Juni 2006 in Kraft getretene Gesetz geregelt.

Benutzung

Die Deutsche Nationalbibliothek ist eine reine Präsenzbibliothek. Die Bestände dürfen also nur im Lesesaal benutzt werden. Einen Leserausweis erhält jeder, der das 18. Lebensjahr vollendet hat und einen amtlichen Ausweis vorlegt. Die Jahreskarte kostet 38 Euro (Stand März 2007). Es gibt eine Beschränkung der gleichzeitig einsehbaren Werke. Einzelne Artikel oder Kapitel können auch gegen Gebühr als (digitale) Kopie bestellt werden. (Ein vergleichbarer Dienst ist der Subito-Dokumentenlieferdienst.)

Regelwerksarbeit und Normdateien

Die Deutsche Nationalbibliothek beteiligt sich an der Weiterentwicklung bibliothekarischer Regelwerke und arbeitet an Normdateien für bibliographische Daten mit.


Europa

Die europäischen Nationalbibliotheken sind über das gemeinsame Webportal The European Library zu erreichen.


Literatur

  • Die Deutsche Bibliothek. Gesamtarchiv und nationalbibliographisches Informationszentrum - zentrales Sammeln, Erschließen, Vermitteln. Die Deutsche Bibliothek : Frankfurt am Main, 1991 (ISBN=3-922051-30-8}

Zur Information über ihre Arbeit gibt die Bibliothek seit 1989 die Zeitschrift heraus:

  • Dialog mit Bibliotheken. Fachzeitschrift über die Deutsche Bibliothek, ihre Aktivitäten, ihr Dienstleistungsangebot. Die Deutsche Bibliothek : Frankfurt am Main, 1.1989ff. (ISSN=0936-1138)


Weblinks

Listen von Nationalbibliotheken:

Zur Geschichte der Nationalbibliothek in Deutschland:

  • Diese Seite wurde zuletzt am 26. April 2009 um 20:47 Uhr geändert.
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