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Integrierter Geschäftsgang

Aus ErwerbungsWiki

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Inhaltsverzeichnis

Definition

"Der Begriff Integrierter Geschäftsgang kennzeichnet die Arbeitsorganisation, bei der mittels Datenverarbeitung eine Verflechtung der zum Geschäftsgang zählenden Arbeitsvorgänge erreicht wird. Dabei kommt es zu einer Verschmelzung der Strukturelemente, die für die Bearbeitung der bestellten und erworbenen Dokumente notwendig sind.“ (Ewert/Umstätter, Lehrbuch der Bibliotheksverwaltung, 1997. S. 56)

Gemeint ist die Integration der Arbeitsprozesse Akzession und Formalerschließung und damit die organisatorische Zusammenlegung der Abteilungen Erwerbung und Katalogisierung (bzw. Bestandsaufbau und Erschließung) in Bibliotheken.

Ziel eines Integrierten Geschäftsgangs ist es, die Organisationsabläufe im Interesse einer schnellen und effizienten Informationsvermittlung zu rationalisieren und dabei die Motivation der Mitarbeiter durch eine bessere Identifikation mit den eigenen Arbeitsergebnissen im Gesamtprozess zu steigern.


Technische Voraussetzungen

Wichtige Voraussetzung für die Integration der Arbeitsprozesse ist eine moderne Bibliothekssoftware, die folgenden Anforderungen genügen sollte:

  • Reibungsloser Datenfluss zwischen den einzelnen Modulen des Lokalsystems (Erwerbungs-, Erschließungs- und Ausleihmodul)
  • Datenhaltung in einem gemeinsamen Datenpool
  • Möglichkeit der Nachnutzung von Fremddaten
  • mögliche Einbindung retrokonvertierter konventioneller Bestellkarteien


Organisatorische Voraussetzungen

Daneben sind organisatorische Maßnahmen für die Integration zu treffen:

  • Entwicklung einer neuen Arbeitsorganistaion (Einführung von Arbeitsgruppen oder Teams)
  • Einführung von Mischarbeitsplätzen
  • Schulung des Personals
  • Reorganisation der Ablaufprozesse
  • Einführung der Bestellkatalogisierung


Vorteile des Integrierten Geschäftsgangs

Die Vorteile des Integrierten Geschäftsgangs sind:

  • Zeitliche Verkürzung des Geschäftsgangs durch:
    • Wegfall mehrfacher Datenerfassung bzw. Datenrecherche (Synergieeffekte)
    • Wegfall von Sortierarbeiten
    • Abbau von Transport- und Liegezeiten
    • Automatisierung von Arbeitsgängen (z.B. Reklamation, Statistik)
  • Kosteneinsparung
  • Personaleinsparung, flexible Anpassung der Arbeitskapazitäten
  • verbesserte Transparenz
    • Transparenz nach innen (Abrufbarkeit sämtlicher Informationen aus dem Erwerbungssystem)
    • Transparenz nach außen (Benutzer kann Bearbeitungsstatus im OPAC nachverfolgen und sich ggf. auf Bestellungen vormerken)
  • Veränderung der sozialen Strukturen (Hierarchieabbau, Teambildung, Entspezialisierung)
  • größere Arbeitszufriedenheit (Job enrichment, job enlargement)


Der Integrierte Geschäftsgang konnte sich mittlerweile in den meisten größeren wissenschaftlichen wie öffentlichen Bibliotheken durchsetzen.


Literatur

  • Lehrbuch der Bibliotheksverwaltung / Hrsg. G. Ewert, W. Umstätter. Stuttgart, 1997. 204 Seiten
  • Erfolgreiches Management von Bibliotheken und Informationseinrichtungen : Fachratgeber für die Bibliotheksleitung und Bibliothekare / Hrsg.: Hans-Christoph Hobohm ; Konrad Umlauf. Hamburg, 2002; Losebl.-Ausg.
  • Brintzinger, Klaus-Rainer: Integrierter Geschäftsgang in einer dezentralen Bibliothek der Universität Tübingen. In: „Festplatte“ : Beiträge aus der Universitätsbibliothek Tübingen für Berndt von Egidy anlässlich seines Ausscheidens aus dem aktiven Bibliotheksdienst im Juli 2003. – Tübingen : Universitätsbibliothek, 2003 (http://tobias-lib.ub.uni-tuebingen.de/volltexte/2003/826/html/festplatte/rundgang/pdf/brintzinger.pdf)
  • Kirchgäßner, Adalbert: Von der arbeitsteiligen zur ganzheitlichen Bibliohtheksorganisation. In: Zwischen Schreiben und Lesen : Perspektiven für Bibliotheken, Wissenschaft und Kultur ; Festschrift zum 60. Geburtstag von Hermann Havekost / hrsg. von Hans-Joachim Wätjen. – Oldenburg, 1995 (http://www.bis.uni-oldenburg.de/bisverlag/hv1/12-kirch.pdf)
  • Halle, Axel: Integrierte Buchbearbeitung an der SUB Göttingen. In: Bibliothek 22. (1998). Nr. 2; S. 247-251
  • Siebert, Irmgard: Integrierte Buchbearbeitung - noch immer ein Phantom? Erfahrungen aus der UB Marburg und der UB Essen. In: Bibliotheksdienst. Jg. 34 (2000); S. 234-242


Weblinks

  • Diese Seite wurde zuletzt am 27. Juli 2008 um 15:33 Uhr geändert.
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