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Etatmodell

Aus ErwerbungsWiki

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Der Begriff Etatmodell wird in der bibliothekswissenschaftlichen Fachliteratur als Oberbegriff für Etatbedarfsmodelle und Etatverteilungsmodelle verwendet.


Inhaltsverzeichnis

Etatbedarfsmodelle

Etatbedarfsmodelle dienen dazu, den Mittelbedarf von Bibliotheken für die Erwerbung der relevanten Informationsressourcen anhand konkreter Parameter zu ermitteln. Sie sind damit ein probates Mittel, um gegenüber den Unterhaltsträgern fundierte Etatforderungen anzumelden.

Etatbedarfsmodelle werden nicht nur für eine einzelne Bibliothek, sondern meist für bestimmte Bibliothekstypen erstellt, die in ihrer Struktur sowie in ihrem Aufgabenspektrum vergleichbar sind (z.B. Universitätsbibliotheken, Fachhochschulbibliotheken, öffentliche Bibliotheken). Etatbedarfsmodelle dienen der Etatplanung des Unterhaltsträgers (z.B. ein Bundesland) und tragen dazu bei, eine transparente und gerechtere Verteilung der verfügbaren Finanzmittel auf die einzelnen Einrichtungen eines Bibliothektyps zu gewährleisten.

Etatbedarfsmodelle beziehen sich meist auf die Berechnung der Mittel für die laufend erforderlichen Informationsressourcen, sie können jedoch auch für den Aufbau von Büchergrundbeständen erstellt werden.


Etatverteilungsmodelle

Etatverteilungsmodelle spielen eine zentrale Rolle bei der Etatplanung und Etatverwaltung an Bibliotheken.

Gegenstand von Etatverteilungsmodellen ist die inner- oder interuniversitäre Verteilung der verfügbaren Bibliotheksmittel auf die einzelnen Bibliotheken (eines Bibliothektyps) bzw. auf deren Gliederungsebenen oder Fachbereiche.

Im Unterschied zu Verteilungsverfahren, die sich traditionell entwickelt haben und besser als Verteilungsschlüssel bezeichnet werden, sollen als Etatverteilungs-Modell nur solche Verfahren bewertet werden, die folgende Kriterien erfüllen:

  • Bestätigung des Verfahrens durch Universitäts-/Hochschulgremien
  • Transparentes Berechnungsverfahren
  • Anwendung von nachvollziehbaren Parametern und Faktoren
  • Übertragung von Differenzbeträgen am Jahresende


In Etatbedarf- und Etatverteilungsmodellen verwendete Parameter

Etatbedarfs- und Etatverteilungsmodelle verwenden ungeachtet ihrer unterschiedlichen Zielsetzungen ähnliche Parameter:


  • Literaturproduktion

Die Quantifizierung der fächerspezifisch relevanten wissenschaftlichen Literaturproduktion erfolgt meist getrennt nach Medientypen (z.B. Monographien, Zeitschriften, elektronischen Medien) unter Berücksichtigung des statistischen Datenmaterials von Buchhandelsorganen und international agierenden Library Suppliers bzw. Agenturen.


  • Durchschnittspreise

Die fachspezifischen Durchschnittspreise werden ebenfalls meist getrennt nach Medientypen erhoben; sie müssen in fortschreibbaren Etatmodellen laufend aktualisiert werden (vgl. Preisindex).


  • Personalparameter

Zur Quantifizierung des Versorgungsauftrags der Fachbereiche kann die Anzahl des wissenschaftlichen Personals (C3- und C4-Professorenstellen) aber auch die Zahl der Studierenden pro Fach (als belastungsbezogener Parameter) herangezogen werden.


  • Benutzungszahlen

Die tatsächliche Nutzung des Bestands kann über die Auswertung der Ausleihstatsitsik erhoben werden.


  • Leistungsindikatoren

In zunehmendem Maße spielen bei der Bedarfsermittlung wie auch der Verteilung der Etatmittel Indikatoren eine Rolle, die auch die Leistungen der Fachbereiche oder Fakultäten berücksichtigen. Dazu eignen sich die Anzahl der in einem Fach angebotenen Abschlüsse (Bachelor, Master, Magister, Diplom, Staatsexamen, Promotion, Habilitation), die Anzahl der Doktoranden und Habilitanden, die Höhe der eingeworbenen Drittmittel oder die Anzahl der Publikationen.


Die bekanntesten Etatmodelle in Deutschland

  • Etatmodell für eine Universitätsbibliothek. Gutachten des Bibliotheksausschusses der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Bad Godesberg, 1958
  • Etatmodell für eine Universitätsbibliothek und eine Technische Hochschulbibliothek. In: Empfehlungen des Wissenschaftsrates zum Ausbau der wissenschaftlichen Einrichtungen. T.2: Wissenschaftliche Bibliotheken, Bonn, 1964, S. 144-151
  • Deutsche Bibliothekskonferenz, Bibliotheksplan '73. Entwurf eines umfassenden Bibliotheksnetzes für die Bundesrepublik Deutschland. Berlin, 1973; S. 77-80.
  • Planungsgruppe Bibliothekswesen im Hochschulbereich Nordrhein-Westfahlen: Die Verteilung der Literaturbeschaffungsmittel auf die wissenschaftlichen Hochschulen des Landes Nordrhein-Westfalen. In: Verband der Bibliotheken des Landes Nordrhein-Westfalen. Mitteilungsblatt, Neue Folge 25 (1975), S. 102-112.
  • Bundesvereinigung Deutscher Bibliotheksverbände: Bibliotheken 93 - Strukturen, Aufgaben, Positionen. Berlin, Göttingen, 1994.
  • Beirat für Wissenschafts- und Hochschulfragen beim Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus: Empfehlungen zum Erwerb des Büchergrundbestands der Universitäten Augsburg, Bamberg, Bayreuth und Passau vom 30. Juli 1982 und zur Sicherung der Literaturversorgung an den Universitäten Erlangen-Nürnberg, München, Regensburg und Würzburg sowie der Technischen Universität München vom 1. August 1983, München 1984
  • Wissenschaftsrat: Empfehlungen zur Literaturversorgung an den Hochschulbibliotheken der neuen Länder und im Ostteil von Berlin. In: Wissenschaftsrat (Hg), Empfehlungen und Stellungnahmen 1992; Köln, 1993, S. 181-193
  • Griebel, Rolf: Etatbedarf universitärer Bibliothekssysteme. Ein Modell zur Sicherung der Literatur- und Informationsversorgung an den Universitäten. Frankfurt am Main, 2002 (Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie; Sonderheft 83)


Literatur

  • Monika Moravetz-Kuhlmann, Die Bedeutung von Etatmodellen für die Etatplanung und Etatverwendung. In: Neue Formen der Erwerbung, hg. v. Susanne Göttker und Franziska Wein, Berlin 2014, S. 51-66
  • Katja Braschoß, Anja Herwig, Agnes Winter: Das Etatverteilungsmodell der Universitätsbibliothek der Humboldt Universität zu Berlin. In: Bibliotheksdienst 46/2012, H.7, S.593-607
  • Monika Moravetz-Kuhlmann, Das bayerische Etatmodell 2010, in: Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie, 57/2010, H.5., 253-270
  • Rolf Griebel, Etatbedarf universitärer Bibliothekssysteme. Frankfurt a.M.: Klostermann 2002 (ZfBB-Sonderheft 83)
  • Etatverteilungsmodelle in Universitätsbibliotheken. Kommission des Ehemaligen Deutschen Bibliotheksinstituts für Erwerbung und Bestandsentwicklung. Berlin, 2000

Weblinks

  • Diese Seite wurde zuletzt am 27. August 2014 um 15:37 Uhr geändert.
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