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Elektronische Zeitschrift

Aus ErwerbungsWiki

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Allgemeines

Online-Zeitschriften bieten komfortablere Suchmöglichkeiten und in der Regel größere Aktualität als Druckausgaben. Die Hoffnung der Bibliotheken, den Zeitschriftenetat durch kostengünstigen elektronischen Ersatz entlasten zu können, hat sich jedoch nicht erfüllt. Sie wurde sogar ins Gegenteil verkehrt: Die Einführung der elektronischen Zeitschriften bedeutet für die Bibliotheken zusätzlichen Finanz- und Verwaltungsaufwand. Grundsätzlich sind auf der Angebotsseite folgende Varianten denkbar:

  1. reine Online-Zeitschriften, ohne gedruckte Version,
  2. Wahlmöglichkeit zwischen Print- oder Online-Version zum gleichen Preis,
  3. Wahlmöglichkeit zwischen Print- oder Online-Version zu unterschiedlichen Preisen,
  4. Print-Abonnement mit der Option, durch Zahlung eines Aufschlages Zugriff auf die Online-Version zu erhalten,
  5. Online-Abonnement mit der Option, durch Zahlung eines Aufschlages ein gedrucktes Archivexemplar zu erhalten,
  6. Abonnement für die gedruckte Ausgabe, in dem der Zugriff auf die elektronische Version enthalten ist.

Bei den Varianten 4 und 5 ist zu beachten, dass laut Umsatzsteuerrecht die Nebenleistung (der Online-Zugriff oder das gedruckte Archivexemplar) entsprechend der Hauptleistung besteuert wird. Es wird insgesamt der Steuersatz berechnet, der für die Hauptleistung zugrunde zu legen ist. Für elektronische Zeitschriften gilt der volle Steuersatz von 19%, für gedruckte der ermäßigte Satz von 7% (Stand 2008).

Die sechste Variante ist zur Zeit die Regel. Es ist davon auszugehen, dass die Kosten für den Mehrwert der Online-Nutzung im Preis einkalkuliert und keine kostenlose Sonderleistung sind. Eine Wahlmöglichkeit besteht nicht. Auch wenn es sich im Einzelfall um einen unerwünschten Zusatznutzen handelt muss er mitbezahlt werden.

Bei der Verwaltung elektronischer Zeitschriften ergeben sich neue Anforderungen an den Geschäftsverkehr und die internen Abläufe:

Bei Neubestellungen müssen die für die Auswahl zuständigen Mitarbeiter vermerken

  • ob eine Online-Version im Preis enthalten ist,
  • ob eine Online-Version gewünscht wird, falls diese gegen Aufpreis zusätzlich erhältlich ist,
  • ob Print- oder Online-Version bestellt werden sollen, falls diese alternativ erhältlich sind.


Von den Lieferanten wird erwartet, dass sie

  • vor Erneuerung der Subskription die Zustimmung der Bibliothek einholen, wenn der Abonnementspreis mehr als ...(z.B. 25)% über dem Vorjahrespreis liegt und den Online-Zugriff enthält,
  • vor Erneuerung der Subskription die Entscheidung der Bibliothek einholen, wenn der Verlag gegen Aufpreis oder alternativ zur Printversion eine Online-Ausgabe anbietet,
  • die Rechnung pro Titel zusätzlich mit folgenden Vermerken versehen:
    • Verlagsangabe
    • Abonnementspreis enthält Online-Zugriff
    • URL der elektronischen Ausgabe
    • Referenznummer, unter der das Abonnement beim Verlag für die Lieferung an die Bibliothek registriert ist (Subscription Number oder Subscriber Number)
    • zusätzliche Hinweise, die für die Freischaltung des Online-Zugriff wichtig sind, z.B. " Verlag verlangt Lizenzvereinbarung" (siehe Lizenzverträge), oder "Servernutzungsgebühren".

Bei der Abonnementsverwaltung müssen mindestens folgende Informationen verankert werden:

  • bei Kombi-Abonnements: Online-Zugriff im Abonnementspreis enthalten,
  • die URL der elektronischen Ausgabe,
  • die Referenznummer.


Es sollte regelmäßig, spätestens aber beim Vorliegen der Abonnementsrechnung das kommende Jahr, überprüft werden, ob die Updates der elektronischen Version auf dem neuesten Stand sind.

Mittels der vom Lieferanten gemeldeten URL wird der Online-Zugriff realisiert. Die Bibliothek wird als berechtigter Nutzer verifiziert und mit einer Nutzerkennung und einem Administrations-Passwort registriert. Es empfiehlt sich, einen separaten Nachweis der bestehenden Online-Zugriffe nach Verlagen und Titeln zu führen, der auch die bibliotheksspezifische Identifikation enthält.

Üblich geworden sind Paketangebote für die Online-Nutzung der Produktion einzelner Verlage oder von Verlagszusammenschlüssen. Vertragspartner sind meist Konsortien.


Bei den meisten Angeboten sind die Print-Abonnements Basis für die Währung und Berechnung der Online-Zugriffe. Einige Verlage versuchen vertraglich den Bestand der gedruckten Abonnements durch Nicht-Abbestellungsklauseln festzuschreiben. Beim Abschluss von Konsortialverträgen muss berücksichtigt werden, das Zeitschriften enthalten sein können, für die die Online-Nutzung bereits dem Abonnementspreis bezahlt wurde.

Quellen

  • Bauer, Bruno : Vademecum e-Zeitschriften; Glossar und Bibliographie. – Wiesbaden: Dinges & Frick, 2003. ISBN 3-934997-07-4
  • Wiesner, Margot : Erwerbung und Buchhandel: Glossar. – Berlin : Deutsches Bibliotheksinstitut, 1999. – ISBN 3-87068-597-2

Literatur

  • Keller, Alice : Elektronische Zeitschriften : Grundlagen und Perspektiven /2., aktualisierte und stark erw. Aufl. Wiesbaden : Harrassowitz, 2005. ISBN: 3-447-05234-1
  • Diese Seite wurde zuletzt am 23. Juli 2008 um 09:33 Uhr geändert.
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